Erasmus in Zeiten von Corona

Ein Erasmus-Aufenthalt an der Universität Linköping
[Foto: Stefan Köbel]

Ein Auslandsaufenthalt trotz Corona – lohnt sich das überhaupt? Und was bleibt von der Auslandserfahrung, wenn die Lehre an der Gasthochschule zum großen Teil aus Onlineangeboten besteht? Stefan Köbel studiert Elektro- und Informationstechnik (M.Sc.) und hat sich trotz des Coronavirus für einen Erasmus-Aufenthalt an der Universität Linköping in Schweden entschieden. Hier berichtet er in einem Interview über seine ersten Eindrücke und Erfahrungen.

Sie haben sich trotz Corona für ein Auslandssemester entschieden. Haben Sie während der Vorbereitungszeit an Ihrem Vorhaben gezweifelt? Warum haben Sie sich dennoch für den Auslandsaufenthalt entschieden?

Ja, zunächst stand mein Auslandsaufenthalt vollkommen auf der Kippe. Es zeigte sich aber dann etwa im Mai, dass die Schweden mit dem Virus etwas anders umgehen als in Deutschland. Das gab mir dann neue Zuversicht. Um meine Entscheidung nicht einem Gefühl oder dem Zufall zu überlassen, erstellte ich mir eine Art Anforderungskatalog, was ich in Schweden machen wollte und was mir wichtig war. So konnte ich einfach feststellen, wie stark mein Auslandssemester in Schweden eingeschränkt werden würde und mich selbst fragen, ob sich das Auslandssemester dafür lohnt. Letztendlich fiel mir die Entscheidung, das Auslandssemester in Schweden zu machen, nicht sehr schwer. Die Einschränkungen hielten sich in Grenzen und es war klar, dass ich die meisten Dinge machen werden könnte.

Ein Auslandssemester vorzubereiten ist immer etwas zeitaufwändig. Wie beurteilen Sie die Vorbereitungszeit, auch hinsichtlich der besonderen Umstände, die sich durch die Corona-Situation ergeben haben?

Ich würde mal behaupten, dass die Corona-Situation die Vorbereitung nicht wesentlich zeitintensiver gemacht hat. Das meiste wurde schon vorher digital per Web, E-Mail oder MOBILITY-ONLINE organisiert. Am ehesten war noch der Prozess zum Unterschreiben des Learning Agreements betroffen, was aber eher zu schlecht lesbaren PDFs führte als zu einem höheren Zeitaufwand.

Die ersten Tage an der Gasthochschule haben Sie nun hinter sich. Wie sind Ihre ersten Eindrücke? Wie war das Orientierungsprogramm? Wie gestaltet sich die Lehre? Werden neben den Online-Kursen auch Präsenzveranstaltungen angeboten?

Der erste Eindruck war gemischt. Teilweise lief die Organisation Corona bedingt nicht optimal. Anderseits wurden trotz Corona relativ viele Events von den Studentenorganisationen ISA und ESN organisiert. Durch Events, wie Barbecue, Stadtführung und Pub Crawling konnte ich einige Kontakte knüpfen, mit denen ich seitdem weitere Sachen unternommen habe.

Die Orientierungswoche der Fakultät vor Ort wurde leider zu einem zweistündigen Online-Meeting zusammengestampft. Die Events von ISA und ESN vor dem Semesterbeginn konnten das nicht wirklich kompensieren.

Vor der Mobilität wurde von der schwedischen Uni versprochen, dass etwa 70% der Vorlesungen Präsenzveranstaltungen sind. Tatsächlich werden jedoch meine Vorlesungen zu 100% digital via Zoom und vorheraufgezeichneten Videos abgehalten. Es heißt jedoch, dass sich das noch ändern kann, da die Universität sukzessive von den niedrigeren Jahrgängen an, den Anteil der Präsenzveranstaltungen erhöht. Und ich kenne andere Studenten, die schon jetzt zu mindestens einer Vorlesung normal im Hörsaal sitzen.

Zu meinen Vorlesungen habe ich den Eindruck, dass die sie sehr zeitintensiv sind. Die wöchentlichen Abgaben sind als Gruppenarbeit konzipiert und geben mir die Möglichkeit trotz den restlichen Online-Meetings mit anderen Studenten in Kontakt zu kommen.

Welche Erwartungen und Pläne haben Sie für die kommenden Monate?

Ich hoffe, dass die Beschränkungen in Schweden ähnlich locker bleiben. Ich möchte noch mehr von Schweden sehen und ein paar Wochenendausflüge oder eventuell eine Reise nach Lappland machen. Und natürlich wäre es dann noch schön, wenn im 2. Semesterabschnitt meine Vorlesungen im Hörsaal abgehalten werden.

Norrköping, Schweden
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