Hintergrund

Von Weimar über Dessau nach Berlin und immer wieder Stuttgart

"Der beherrschende Gedanke des Bauhauses ist also die Idee der neuen Einheit, die Sammlung der vielen 'Künste', 'Richtungen' und Erscheinungen zu einem unteilbaren Ganzen, das im Menschen selbst verankert ist und erst durch das lebendige Leben Sinn und Bedeutung gewinnt."

Walter Gropius, Idee und Aufbau des Bauhaus, 1923

Das 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründete Staatliche Bauhaus war nach Art und Konzeption – der Zusammenführung von Kunst und Handwerk – etwas völlig Neues. Es stellt heute die einflussreichste Schule in den Bereichen Architektur, Kunst und (Industrie-)Design des 20. Jahrhunderts dar und gilt weltweit als die Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst und Architektur. Die Resonanz des Bauhauses ist bis heute ungebrochen und prägt wesentlich das Bild modernistischer Strömungen.

Bauhaus Dessau
Nach den "Weimarer Jahren" erfolgte der Umzug des Bauhauses nach Dessau. Am 4. Dezember 1926 wurde das von Walter Gropius entworfene neue Bauhausgebäude mit seiner beeindruckenden und neue Maßstäbe setzenden Glasfassade (Foto) eingeweiht.

Gerade Stuttgart war immer auch eine der deutschen Städte, in der der revolutionäre Bauhaus-Geist aktiv wurde. Die sichtbarste Verbindung zwischen Stuttgart und dem Bauhaus ist die Weißenhofsiedlung bzw. Werkbundsiedlung – einer Ikone des „Neuen Bauens“ –, die 1927 vom Deutschen Werkbund unter der Leitung Ludwig Mies van der Rohes von führenden Vertretern des „Neuen Bauens“ errichtet wurde. Auch konnten der Stuttgarter Bauhaus-Meister Oskar Schlemmer und sein Malerfreund Willi Baumeister entscheidende Impulse zur Entwicklung des Bauhauses gegeben. Das legendäre „Triadische Ballett“ Oskar Schlemmers, das heute ein Teil der Sammlungen der Staatsgalerie Stuttgart ist, ist dafür nur ein Beispiel.

– = +, "Weniger ist mehr!"

Ludwig Mies van der Rohe, 3. Bauhaus-Direktor
Gebäude der Stuttgarter Weißenhofsiedlung
Gebäude der Stuttgarter Weißenhofsiedlung

1930 wurde Ludwig Mies van der Rohe als Direktor ans Bauhaus berufen. 1931 gewann die NSDAP die Gemeindewahl in Dessau und setzte 1932 die Schließung des Staatlichen Bauhauses durch. Ludwig Mies van der Rohe versuchte, das Bauhaus durch Umzug nach Berlin als private Einrichtung fortzuführen, aber schon 1933 wurde das Bauhaus von den Nationalsozialisten durch Repressionen wie Hausdurchsuchungen, Versiegelung der Räume und Verhaftung von Studenten endgültig zur Selbstauflösung gezwungen.

Und während das Bauhaus 1933 in Deutschland verschwand, gingen seine Ideen, Konzepte und Methoden in den Köpfen seiner Schülerinnen und Schüler in die Welt und wurde so zu einem der größten deutschen Kulturexporte überhaupt.

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