Der LGP-30 ist ein röhrenbestückten Magnettrommelrechner der ersten Generation. Angesichts seines Volumens und seines Einsatzgebietes kann man ihn als einen sehr frühen Mini- oder Personalcomputer bezeichnen. Der Rechner ist in sehr gut erhaltenem Originalzustand und voll funktionsfähig.
Der eigentliche Rechner besteht aus dem rechten Gerät. Darin befinden sich die CPU, der Magnettrommelspeicher, sowie das Netzteil mit Steuerung und die Kühlung. Die Schreibmaschine ist ein Friden Flexowriter und dient als Ein-/Ausgabegerät für die Rechenanlage. Über sie erfolgen Eingabe über Tastatur oder Lochstreifen, und Ausgabe auf Papier und/oder Lochstreifen. Der etwas kleinere Kasten enthält einen zusätzlichen optischen Hochgeschwindigkeits-Lochstreifenleser sowie einen Schnellstanzer.
Seit dem 24.11.1999 besitzt das Computermuseum einen LGP-30. Technisch ist dieser Computer der ersten Generation in einem sehr gut erhaltenen Originalzustand. Das einzige, was nicht mehr original ist, ist die Lackierung. Irgendwer hat ihn irgendwann Mintgrün gespritzt.
Allgemeines
Der LGP-30 wurde ab 1957 gebaut, zunächst in den USA von der Firma Librascope General Precision oder Royal Mc Bee. Ab ca 1958 wurde er dann von der deutschen Firma Schoppe und Faeser in Minden in Westfalen in Lizenz hergestellt. Der LGP-30 im Computermuseum stammt aus deutscher Produktion, und er hat die Seriennummer 4.
Im Firmenprospekt wird als besonderes Merkmal die leichte Transportierbarkeit wegen des geringen Gewichtes von nur 384 kp gelobt, sowie die Tatsache, daß er keinen klimatisierten Raum benötigt, weil die Leistungsaufnahme lediglich 1,5kW beträgt.
Noch eine Anmerkung zum Gewicht: Um ihn in seinem gegenwärtigen Domizil von der Palette zu heben, brauchte ich aus dem Grundstudiumspool nur 5 "freiwillige" Studenten zusätzlich zu rekrutieren. Mit den beiden, die mir schon ab Esslingen geholfen hatten, waren wir beim Abladen dann zu acht, so daß für jeden nur noch etwa 45 kp übrig blieben.
Überblick über die Technik
Der Rechner ist mit 113 Röhren bestückt und hat, wie oben schon erwähnt, eine Leistungsaufnahme von 1,5kW.
Als Hauptspeicher hat er eine Magnettrommel mit 4096 Worten a 32 Bit. Der Rechner ist seriell organisiert, und alle Register befinden sich auf der Magnettrommel:
Der Akkumulator, der Programmzähler und das Befehlsregister.
Dadurch kommt die gesamte CPU mit 24 Röhren aus, die zusammen 15 Flip-Flops, 6 Katodenfolger und 6 Umkehrstufen bilden. Der Rest der Röhren wird für die Ansteuerung der Magnettrommel und des Flexowriters, für den Taktgenerator, sowie für die Schreib-Leseverstärker benötigt.
Befehlssatz
Der Befehlssatz besteht aus 16 Befehlen:
0001 B mn Akkumulator aus Speicher mn füllen "Bring"
1100 H mn Akkumulator in mn speichern ohne zu löschen "Hold"
1101 C mn Akkumulator nach Speichern in mn löschen "Clear"
1110 A mn Addieren "Add"
1111 S mn Subtrahieren "Subtract"
0111 M mn Multiplizieren, obere Hälfte halten "Multiply"
0110 N mn Multiplizieren, untere Hälfte halten
0101 D mn Dividieren "Divide"
1001 E mn Logisches Produkt bilden "Extract"
1010 U mn Unbedingter Sprung nach mn "Unconditional jump"
1011 T mn Sprung nach mn nur, wenn Akkuinhalt negativ "Test and jump"
0010 Y mn Adressenersatz
0011 R mn Adressenrückkehr "Return"
0100 I Eingabe "Input"
1000 P m Schreiben des durch m bezeichneten Symbols "Print"
0000 Z m Halt, wenn der mit m bezeichnete Druckschalter
des Bedienungsfeldes nicht gedrückt ist.
Jeder OP-Code wird durch einen Buchstaben symbolisiert. Der binäre Code des Befehls entspricht dem Code, mit dem der Buchstabe vom Friden Flexowriter kodiert wird, wobei die beiden niederwertigsten Bits ignoriert werden. Der ASCII-Code war zu der Zeit noch Zukunftsmusik. Auf dem Bild von der Tastatur des Flexowriter sind 16 weiße Tasten zu erkennen: Das sind die Buchstabentasten, denen ein OP-Code zugeordnet ist.
Der Adreßteil mn der Befehle besteht aus zwei Teilen:
m ist die Spurnummer (6 Bit)
n ist die Zellennummer (6 Bit)
Logisch ist der Adreßraum zwar homogen (4096 Worte, 12 Bit-Adresse), der LGP-30 ist jedoch mit einem Magnettrommelspeicher ausgerüstet, der keinen Random Access Memory im ursprünglichen Wortsinn darstellt. Der Programmierer wurde durch die Zweiteilung der Adresse immer daran erinnert, die Variable, die zu dem betreffenden Befehl gehört, so zu legen, daß sie möglichst unmittelbar nach dem betreffenden Befehl unter dem Lesekopf liegt. Im schlechtesten Fall muß das Programm eine ganze Trommelumdrehung warten, bis die Variable gelesen werden kann.
| Hersteller: Librascope (USA) / Schoppe&Faeser (Europa) |
| Typ: LGP-30 |
| Baujahr: 1958 |
| Seriennummer: 4 |
| Technik: Röhren, Germaniumdioden, Magnettrommel |
| Preis: 250.000,- DM |
| Preis Schnelleser+Motorstanzer Modell 342: 26.750,- DM |
Die Tesafilmspuren sind noch vorhanden, mit der die Pocketreferencecard rechts neben dem Display des Rechners festgeklebt war. Da sie sich als absolut Lösungsmittelfest zeigten, haben wir wieder eine solche Karte dahingeklebt, wo sie vor 32 Jahren auch schon war. Auf dem Photo ist also tatsächlich der Rechner abgebildet, der heute im Computermuseum steht.

LGP-30 betriebsbereit, Aufnahme vom Tag der Wissenschaft 2007
Der eigentliche Rechner besteht aus dem rechten Gerät. Darin befinden sich die CPU, der Magnettrommelspeicher, sowie das Netzteil mit Steuerung und die Kühlung. Die Schreibmaschine ist ein Friden Flexowriter und dient als Ein-/Ausgabegerät für die Rechenanlage. Über sie erfolgen Eingabe über Tastatur oder Lochstreifen, und Ausgabe auf Papier und/oder Lochstreifen. Der etwas kleinere Kasten links im Bild enthält einen zusätzlichen optischen Hochgeschwindigkeits-Lochstreifenleser sowie einen Schnellstanzer.

Gleichspannungsnetzteil
Dieses Netzteil an sich wiegt schon ganz ordentlich, man sieht schön die Batterien an Elektrolytkondensatoren (die silbernen Becher) und Selengleichrichtern (die roten Gerippe); versteckt sind die Transformatoren und Drosseln. Das Netzteil liefert Spannungen von +150V, +300V, -160V und -20V. Die Logikspannungen in der Maschine sind 0 und -20V.

Magnetischer Spannungskonstanter (5 Mark-Stück zum Größenvergleich)
Da eine elektronische Stabilisierung eines Netzteils dieser Leistung (grob 1500W) zu dieser Zeit praktisch unmöglich war, verwendete man stattdessen einen magnetischen Konstanter zwischen Netzanschluß und Netzteil.
Mehr Informationen zum LGP-30:
* ein zerlegter LGP-30
* Allgemeines + Bilder
* Das erste Einschalten (28.12.99)
* Zwei Befehle funktionieren nicht (5.1.00)
* Pi auf 50 Stellen + Highspeed Tapereader (26.1.00)
* Highspeed Tapereader (2.2.00)
* Das Logik-Board (3.4.00)
* Kolloquium am 11.7.2000
Ergänzung:
Inzwischen wissen wir etwas mehr zur Geschichte dieses Rechners: Er war nicht von Anfang an bei der Uni im Einsatz, sondern gehörte der Firma Stahlbau Seibert in Saarbrücken / Aschaffenburg. Er wurde dann wohl vom Hersteller zurrückgenommen, umlackiert und an die Uni verkauft.
Unterlagen zum LGP-30
Unterlagen zum LGP-21
Videos auf unserem YouTube Kanal
- LGP-30: Fehlersuche
Begleiten Sie Klemens Krause bei der Fehlersuche und lernen Sie unseren ältesten Rechner kennen! - Pi-Day: Vorträge von Dr. Jan Köllner am 14. März
Jan Köllner gibt einen Einblick in die geschichtliche Entwicklung und die unterschiedlichen mathematischen Wege zur Berechnung der Zahl Pi mit möglichst vieler Nachkommastellen auf demLGP-30 - Interview mit Prof. Banhart
Dr. John Banhart vom Programmieren mit dem LGP-30 und dem Informatikunterricht am Schelztor - Gymnasium Esslingen in den 70er Jahren. - Tektronix-Geräte
Mit dem Tektronix 555 untersuchen Klemens Krause und Christian Corti den LGP-30