Veranstaltungsreihe "Abends im Computermuseum" - Nächster Termin 22.06.2022

25. Mai 2022

Virtuelles Angebot des Computermuseums für Interessierte und Freunde des Museums
nächster Termin: 22.06.2022 um 19:00 Uhr

Seit Dezember 2020 lädt das Team des Computermuseums zu einem virtuellen Blick ins Museum ein. Die Reihe findet als Live-Stream statt, der aus dem Computermuseum gesendet wird. Vorschläge für weitere Vorführthemen gerne an das Team des Computermuseums. Videoaufzeichnungen der bisherigen Veranstaltungen auf unserem YouTube-Kanal.

Themenübersicht der bisherigen Veranstaltungen

Nächster Termin: Mittwoch, 22.06.2022 - Start 19 Uhr

Thema an diesem Abend:

Theo Lutz: Stochastische Texte.
Vom Freiburger Code
zum
Stuttgarter Code.

In Zusammenarbeit mit Dr. Toni Bernhart vom Institut für Literaturwissenschaft der Universität Stuttgart und Dr. Vera Hildenbrandt vom Deutschen Literaturarchiv Marbach

Theo Lutz war weltweit einer der ersten, dem die Erzeugung natürlichsprachiger Texte mit einem Computer gelang. Im Sommer 1959 schrieb er in Zusammenarbeit mit Rul Gunzenhäuser und Max Bense ein Programm, mit dem er auf der Zuse Z 22 der Universität Stuttgart Gedichte herstellen konnte. Er gab ihnen den Titel „Stochastische Texte“ und veröffentlichte sie in der Zeitschrift „augenblick“. Das war ein Meilenstein in der Geschichte der Informatik und gleichzeitig schrieb Lutz damit Literaturgeschichte, ohne dass ihm das bewusst war. 

NICHT JEDER BLICK  IST NAH. KEIN DORF IST SPÄT.
EIN SCHLOSS IST FREI UND JEDER BAUER IST FERN.
JEDER FREMDE IST FERN. EIN TAG IST SPÄT.
JEDES HAUS IST DUNKEL. EIN AUGE IST TIEF.
NICHT JEDES SCHLOSS IST ALT. JEDER TAG IST ALT.
NICHT JEDER GAST IST WÜTEND. EINE KIRCHE IST SCHMAL.

Theo Lutz: Stochastische Texte (1959) (Auszug)

Theo Lutz am Schreibtisch und mit Studierenden bei IBM
Theo Lutz am Schreibtisch und mit Studierenden bei IBM

Lutz schrieb sein Programm im "Freiburger Code", einer extrem redundanzfreien, heute praktisch unlesbaren Eingabeform für Z 22-Rechenanlagen. Das Programm ist vollständig erhalten. Es liegt im Nachlass von Theo Lutz, der vor drei Jahren ins Archiv des Deutschen Literaturarchivs Marbach (DLA) übernommen wurde. Vermutlich das erste Mal seit 1959 kommt das Programm nun wieder zum Laufen.

Klemens Krause, Leiter des Computermuseums der Universität Stuttgart, hat das Programm disassembliert und in eine moderne Assemblersprache übersetzt. Dadurch ist es möglich, die Logik des Programms in einem Flussdiagramm darzustellen und zu sehen, wie das Programm im Einzelnen funktioniert. Von diesem "Stuttgarter Code" ausgehend, wurde das Programm in den Maschincode des LGP 30 übersetzt und  auf Lochstreifen ausgestanzt. An diesem Abend werden wir das Programm in den LGP 30, einen röhrenbestückten Magnettrommelrechner der ersten Generation, Baujahr 1959, einlesen und laufen lassen.

Was genau dabei passieren wird, ist die Überraschung des Abends. Toni Bernhart, Literaturwissenschaftler an der Universität Stuttgart, wird das Experiment literaturgeschichtlich kommentieren. Weil der Tag der Veranstaltung, der 22. Juni 2022 der 112. Geburtstag von Konrad Zuse ist, wird Klemens Krause das Programm auch auf dem PDP-12 vorführen. In der anschließenden Diskussion live dazugeschaltet ist ein Podium aus dem Literaturmuseum der Moderne des DLA, das Vera Hildenbrandt, Leiterin der Museen des DLA, moderieren wird.

Theo Lutz (1932–2010) war Mathematiker und Pionier der Informatik. Er war Absolvent der Universität Stuttgart und für Standard Elektrik Lorenz (SEL) und IBM tätig. Lutz schrieb zahlreiche Fach- und Sachbücher über Informatik und experimentierte zeit seines Lebens mit dem Wechselspiel von Hardware, Software und Literatur.

Freiburger Code (l.) und Stuttgarter Code (r.)
Freiburger Code (l.) und Stuttgarter Code (r.)

Die Veranstaltung wird mit "Twitch" übertragen. Hier der Link:

https://www.twitch.tv/cm_stuttgart

Eine vorherige Anmeldung zur Veranstaltung ist nicht notwendig.
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chm-s@informatik.uni-stuttgart.de
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Ralph Braun, Klemens Krause und Christian Corti
Ralph Braun, Klemens Krause und Christian Corti

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