MUT Museum der Universität Tübingen

30. Oktober 2019

Vintage Computing Festival Berlin 2019

Das Computermuseum der Informatik auf dem Vintage Computing Festival - 12. und 13. Oktober 2019 in Berlin

Das Vintage Computing Festival Berlin (VCFB) ist eine Veranstaltung rund um historische Computer und Rechentechnik. In Ausstellungen, Vorträgen und Workshops präsentieren die Mitwirkenden aus ganz Deutschland und darüber hinaus verschiedene Aspekte des Themas Vintage Computing.

Es werden Retro-Computer, sowie historische Betriebssysteme, Programmiersprachen, Netzwerktechnik, Taschenrechner und Rechenmaschinen ausgestellt. Der Großteil der präsentierten Geräte ist funktionsfähig und kann von den Besucherinnen und Besuchern  ausprobiert werden.

Von 12. - 13. Oktober 2019 fand das VCFB im Deutsches Technikmuseum Berlin statt. Klemens Krause vom Computermuseum der Informatik war als Aussteller und mit einem Vortrag vertreten:

Vortrag von Klemens Krause:
Das Rechenwerk und die Arithmetik der Z1
Im Vortrag werden zum einen die arithmetischen Fähigkeiten der Z1 erklärt, dem einzigen jemals realisierten mechanisch aufgebauten Computer, der zudem der einzige jemals gebaute rein mechanische Rechner ist, der halblogarithmische Gleitpunktarithmetik beherrscht. Zum anderen wird der Versuch unternommen, die Funktion des Mantissenrechenwerkes der Z1 darzustellen. In der Literatur bekannt ist der 2-Bit-Addierer in der abstrakten Schaltgliedtechnik, der eigentlich eine Abstraktion eines Relaisaddierers ist. Diesen Addierer kann man relativ simpel als mechanisches Modell realisieren. Das Rechenwerk in der Z1 in Berlin ist aber viel komplexer und durch einen mehrstöckigen Aufbau kompakter und leistungsfähiger als das einfache Addierwerk. Und da wird die Sache interessant …

Ausstellungsexponat:
Ein 2-Bit-Rechenwerk nach Konrad Zuse

Konrad Zuse wird heute international als Konstrukteur und Erbauer des ersten digitalen Computers der Welt anerkannt. Sein erstes Versuchsmodell V1, später Z1 genannt, arbeitete rein mechanisch mit binärer Gleitkommaarithmetik, die mikroprogrammiert war. Die Maschine war 1938 nach zwei Jahren Bauzeit funktionsfähig, wurde aber nie der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgestellt. Zuse begann sofort mit einem Relaiscomputer, dem V2 oder Z2, das noch den mechanischen Speicher der Z1 verwendete. Das nächste Modell war das V3 oder Z3. Diese Maschine wurde am 12. Mai 1941 einer Delegation der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt vorgeführt, und war damit der Wissenschaft öffentlich bekannt. Alle drei Maschinen wurden im 2. Weltkrieg zerstört, von der Z1 sind keinerlei Unterlagen erhalten geblieben. Im Jahr 1986 begann Konrad Zuse aus dem Gedächtnis mit der Rekonstruktion der Z1, vielleicht um der Welt zu beweisen, dass diese Maschine damals gebaut werden und auch funktioniert haben konnte. Die rekonstruierte Maschine ist hier im Deutschen Technikmuseum ausgestellt. Für ein besseres Verständnis der mechanischen Schaltgliedtechnik habe ich aus Aluminiumstreifen und Distanzhülsen ein kaskadierbares Rechenwerk gebaut, an dem man die Funktion der Halbaddierer und des einschrittigen Übertrages nach Konrad Zuse nachvollziehen und ausprobieren kann. Klemens Krause (Computermuseum der Informatik an der Uni Stuttgart), Nr. 13

 

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